Samstag, 17.11.2018, ab 09:30 Uhr / Raumwelten Pavillon „Lichtwolke“, Ludwigsburg

Erstmalig bietet Raumwelten mit Unterstützung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg einen speziellen Tag für Anwendungen im Bereich Virtual und Augmented Reality (VR / AR) an zum Themenschwerpunkt „Der digitale Raum“. Zu sehen und zu erleben sind Vorträge und VR-Installationen in den Bereichen Entertainment, Kunst, Dokumentarfilm, Animation und Theater. Zu Gast ist u.a. der bekannte Musiker und Theaterregisseur Schorsch Kamerun, der über sein Stück „Ein Sommernachtstraum im Cyber Valley“ (Schauspiel Stuttgart) berichten wird.

Raumwelten goes VR findet im Rahmen von Raumwelten Public statt. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

Markus Brandmair (Geschäftsführer MIM Fusion GmbH & Co. KG): Storytelling im virtuellen Raum: Case-Study „Escape the World VR“

10:00 Uhr

Content ist King! Dieser mittlerweile schon fast zur Binsenweisheit avancierte Slogan manifestiert sich nicht nur anhand populärer Beispiele, wie Netflix, Youtube & Co. Genauso befindet sich „Virtual Reality“ inmitten eines disruptiven Transformationsprozesses, weg von einer technologiegetriebenen Anwendung hin zu einem contentgetriebenen Medium. Mit ESCAPE THE WORLD VR fügen wir diesem Treiber ein weiteres Stück hinzu. Wir rücken die Zuschauer ins Zentrum des Geschehens und lassen sie unmittelbar die Action und Emotionen der Protagonisten erleben. Dabei werden klassische Erzählelemente mit den neuen Erzähltechniken von VR verbunden. ESCAPE THE WORLD VR hat insofern den Anspruch, Storytelling auf einen neuen Level zu bringen.

Vita:

Markus Brandmair begann als Fiction Producer bei der made in munich movies, wo er zwischen 2011 und 2013 als Producer sieben TV-Movies der ZDF-Reihe „Dora Heldt“ umsetzte sowie zahlreiche Werbe- und Imagefilme. Ab 2014 hat er zusätzlich als geschäftsführender Gesellschafter die Plattform CINEDIME aufgebaut, die auf die Finanzierung von Film- und Medienprojekten spezialisiert ist. Seit 2017 produziert er mit der MIM Fusion VR-/AR-Experiences mit dem Fokus auf Storytelling.

Dominik Stockhausen, Carl Krause, Nikolai Maderthoner (Teilnehmer an der Talentförderinitiative IP NOW – Animationsinstitut, Filmakademie Baden-Württemberg): MindPalace - Creating an Experimental VR Short

10:45 Uhr

Der mit Hilfe von Motion Capture-Aufnahmen erstellte 3D-animierte Virtual Reality-Kurzfilm MindPalace schildert Szenen einer vor dem Scheitern stehenden Beziehung. Ein Mann wird gegen seinen Willen in den Kopf seines Partners eingesperrt, in einem letzten verzweifelten Versuch zu kommunizieren. Der Anspruch für dieses Projekt ist die Erforschung des narrativen Potentials von VR-Anwendungen, einer Technologie, deren Relevanz als erzählerisches Medium immer größer wird. „Das Projekt MindPalace ist eine völlig neue VR-Erfahrung,“ erklärt Prof. Andreas Hykade, Leiter des Animationsinstituts der Filmakademie Baden-Württemberg. „Die Filmemacher entführen uns dabei in ein Beziehungsdrama intensivster Art. Hier wird Pionierarbeit an der Schnittstelle zwischen Kunst und Technologie geleistet.“

Vita:

Das Team hinter MindPalace besteht aus dem Regie-Duo Carl Krause und Dominik Stockhausen sowie dem Technical Lead Nikolai Maderthoner und dem Produzenten Malte Stehr. Mit dem VR-Kurzfilm „MindPalace“ hat das Team seinen Abschluss am Animationsinstitut der Filmakademie Baden-Württemberg absolviert und im September seine internationale Premiere auf der Biennale in Venedig gefeiert. Alle drei sind sehr interessiert am Experimentieren mit innovativen Techniken und neuen Erzählformen.

Foto: Zumbrunn_Medea Film

Irene Höfer (Produzentin– Medea Film Factory, Berlin): Geschichten aus Jerusalem: Glaube·Liebe·Hoffnung·Angst

11:45 Uhr

Wie kann man Kunst erfahrbar machen? In Dani Levys Jerusalem Stories in 360° VR 3D ist man mitten drin, in einer emotionalen Geschichte, fiktional realisiert an realen Orten. Plötzlich sind wir in einer neuen Dimension von filmischen Räumen, von neuen Formen des filmischen Erzählens. Schon immer war es der Traum von Filmemachern die Zuschauer mit ihren Filmen sinnlich, emotional und packend in eine Geschichte oder fremde Welt zu entführen. So war die Erfindung der ‚laufenden Bilder‘ eine einzigartige Sensation auf dem Weg des Geschichtenerzählens. Es ist, als wären wir noch einmal am Anfang des Kinos, als der Zug uns überrollte. Pionierarbeit, die Dani Levy und das gesamte Team, das Jüdische Museum Berlin und die Förderer geleistet haben. Das ist nur ein Anfang, und macht Lust auf mehr!

Buch und Regie: Dani Levy
Produktion: Medea Film Factory
in Koproduktion mit ZDF/ARTE und dem Jüdischen Museum Berlin
gefördert von Medienboard Berlin-Brandenburg und nordmedia Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen / Bremen mbH

Virtual Reality, je 5-8 Min.

Florian Rothenberger (Geschäftsführer/ Creativ Direktor – visuarte - mediale Erlebniswelten, München): Der räumliche Film - Vom Planetarium zu VR

12:30 Uhr

Immersive Erlebnisse nehmen den Betrachter mit auf eine faszinierende Reise. Und das schon länger als man denkt. Zwischen dem ersten Planetarium 1924 und der VR Brille, die seit etwa 2015 als massentaugliches System verfügbar ist, liegen fast 100 Jahre. VR Brillen  – das Planetarium to Go – ermöglichen unterschiedlichste, intensive Erlebnisse und ein Eintauchen in andere Welten.  Neben vielen industriellen Anwendungen hat nicht nur die Gamesbranche, sondern auch die Filmbranche das Medium entdeckt. Die Dramaturgie, bildliche und akustische Stilmittel sind dabei entscheidend, um die Wirkung richtig zu entfalten. Die Erfahrungen aus Planetariumsproduktionen nutzt visuarte mittlerweile auch im  Medium VR/AR Brille. Die Suche nach dem Rezept für die beste Wirkung einer Story hat begonnen.

Vita:

Geb. 1975 in München, 2000-2005 Studium an der Filmakademie Baden Württemberg. Nach dem Studium als Produzent für Kino- und Dokumentarfilme (z.B.WaderWecker VaterLand) tätig. Parallel von 2004-2007 als Projektleiter bei Janglednerves,Stuttgart. 2009 Einstieg bei visuarte als Teilhaber und Creative Director. visuarte bietet als Kreativ- und Medienagentur das gesamte Spektrum medialer Inszenierungen im Raum an. Als Partner für Messen, Events, Ausstellungen und interaktive Exponate.

Foto: Robert Bauernhansl

Björn Lengers (Mitgründer – CyberRäuber - Theater der Virtuellen Realität, Berlin): Theater und Virtuelle Realität - Gelernte Lektionen aus drei Jahren

Foto: Jörg Middendorf

14:00 Uhr

Seit Anfang 2016 arbeiten Marcel Karnapke und Björn Lengers unter dem Label CyberRäuber an der Verbindung von Theater und Virtueller Realität. Aus Neugierde und Entdeckungslust als künstlerisches Experiment gestartet, realisieren sie mittlerweile für renommierte Theater Projekte zwischen Bühne und Digitalem und sind Pioniere der darstellenden Kunst im virtuellen Raum. Im Vortrag mit anschließender Diskussion stellt CyberRäuber Björn Lengers einige der bisherigen Arbeiten vor, spricht über Fehler, Sackgassen, Lösungen, Erfolge und gibt einen Einblick, was dies alles für das Theater der näheren Zukunft bedeuten könnte.

Vita:

Björn Lengers ist Mitgründer der CyberRäuber. Der gelernte Kaufmann ist Datenanalyst, Entwickler, Künstler und lebt mit seiner Familie in Berlin.

Foto: Ali Katan-Schmid

Prof. Dr. Sabiha Ghellal (Interaction & Game Design – Hochschule der Medien Stuttgart): Designing Mixed Reality Experiences in a Museum or Theater

15:00 Uhr

The states digitalization campaign calls for digital innovation and provides funding for new experiences. Mixed Reality, which is the overarching terminology for virtual- and augmented reality, plays next to artificial intelligence (AI), machine learning, automated image recognition and gamification an important role. However, few museums or theatres have the necessary know-how to conceptualize, design or develop new digital experiences. I will present two case studies “Playing with Virtual Realities”, a VR dance performance developed as part of interdisciplinary research initiative at Gamelab.berlin run by the Cluster of Excellence »Image Knowledge und Gestaltung« at the Humboldt-Universität zu Berlin, and „Ein Sommernachtstraum im Cyber Valley“ a music-theater based verification nightmare directed by director and singer Schorsch Kamerun at Schauspiel Stuttgart.  I my talk I will illustrate how off-the-shelf VR equipment can be utilized to create thrilling new performances with little technological know-how and discuss if and how VR design patterns may help theaters and museums to create novel mixed reality experiences.

Marie Lienhard: Logics of Gold

Marie Lienhard, Künstlerin: „Of Lights“, VR-Projekt mit Live-Helium-Ballon-Fahrt auf 35 km Höhe

Foto: Wilhelm Betz

16:00 Uhr

Am Samstag, 17. November, zum Sonnenuntergang, steigt im Rahmen eines öffentlichen Events vom Akademiehof, direkt vor dem Raumwelten-Pavillon „Lichtwolke“, ein zwei Meter großer Heliumballon auf, an dem eine 360° Panoramakamera befestigt ist. Diese Kamera filmt die gesamte Umgebung: das Verlassen der Stadt, sowie den Himmel über und um ihr, den Sonnenuntergang außerhalb unsere Erdatmosphäre und schließlich den Nachthimmel. Die Welt wird immer kleiner auf dem Weg in die Stratosphäre, bis der Ballon auf ca. 35 km Höhe platzt. Dieser spektakuläre Moment ist auch Teil der 360° Aufnahmen – sowie der Fall zurück zur nächtlichen Erde, den Lichtern der Stadt und der Dunkelheit auf dem Land. Zu Raumwelten 2019 werden diese Aufnahmen dann als VR-Erlebnis den Besuchern zugänglich gemacht!

Vita:

Marie Lienhard (FR/EN) – Dipl. Freie Kunst. Lebt und arbeitet in Stuttgart, DE. Ausgangspunkt von Marie Lienhards’ künstlerischer Praxis ist die Faszination für die Elastizität unseres selbst- und fremdgesteuerten Wahrnehmungsverhaltens, welches sie an Grenzen physikalischer Gesetze und der ständigen Suche nach labilen Gleichgewichten in frage stellt. Die Bereiche Installation, Virtual Reality, Fotografie & Zeichnung sind Ausgangspunkt Ihrer international vertretenen Arbeiten und Ausstellungen.

Ein Sommernachtstraum im Cyber Valley

„Heimat, Hightech, Highspeed“  – so warb die Landesregierung Baden-Württemberg 2014 für ihre Digitalisierungsstrategie und rief das Prestigeprojekt Cyber Valley ins Leben, mit dem die Region Stuttgart  zu einem Wirtschafts- und Forschungszentrum für künstliche Intelligenz ausgebaut werden soll. Das inspirierte Regisseur und Musiker Schorsch Kamerun zu einer musiktheatralen Adaption von Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“,  die er „im Cyber Valley“ verortet und mit dem Untertitel „Shakespeares Zauberwald als psychedelisches Maschinenklangländle“ im Februar 2018 am Schauspiel Stuttgart zur Uraufführung brachte. Für Schorsch Kamerun sind Stuttgart und die Region ein Ort riesiger Widersprüche und das reflektiert er seiner Inszenierung: Hier hext sich Shakespeare in das liebliche Neckartal, das Neckartal trifft den Elektrohirschen der anarchische Puck auf Winfried Kretschmann.

Für die Inszenierung arbeitete Schorsch Kamerun  mit  Katja Eichbaum zusammen, die seit 2008 zu vielen Theaterprojekten und Konzerten von Kamerun Videoinstallationen, Performances, Bühnen- und Kostümbilder konzipiert und umsetzt. Über die Stuttgarter Produktion sagt Katja Eichbaum: „Ein Sommernachtstraum im Cyber Valley“ ist ein total durchgeknalltes Schichtenmodell, über das man sich nur wundern kann und das einem ständig beweist, auf einer anderen Etage gerade etwas zu verpasst zu haben. Alle Komponenten dehnen sich aus, um sich am Ende wieder zusammenzuziehen.“

Bei Raumwelten berichten Katja Eichbaum im Gespräch mit Thomas Koch (Kommunikationsdirektor, Oper Stuttgart) und Schorsch Kamerun im Gespräch mit Elisabeth Schweeger (Leiterin der ADK Ludwigsburg) von ihren jüngsten Erfahrungen im Cyber Valley.

  • 17:00 Uhr: Die Szenografin Katja Eichbaum im Gespräch mit Thomas Koch, Kommunikationsdirektor, Oper Stuttgart
  • 18:00 Uhr: Regisseur Schorsch Kamerun im Gespräch mit Prof. Ulrich Wegenast