Punktlandung 1: Virtuelle Welten im Europapark

Wie die digitale Medien Deutschlands größten Freizeitpark Europapark Rust verändert haben

Michael Mack (Mack Rides Gmbh & Co.KG Waldkirch)

Mit einem kurzen Abriss über die Geschichte des erst kürzlich zum beliebtesten Ausflugsziel Deutschlands gekürten Europa Park, leitet Michael Mack seinen Vortrag ein. Das Familienunternehmen beginnt schon 1780 mit dem Bau von Kutschen, Fuhrwagen und später Wohnwagen. 1921 kam als erstes Fahrgeschäft eine Holzachterbahn hinzu. 1975 wurde dann der Europapark gegründet. Er ist mit 75 Hektar der größte Freizeitpark in Deutschland. Seit September diesen Jahres zeigt er seinen Besucher_innen eine neue Realität, die weltweit einzigartig ist.

Neue, mögliche Welten wurden bereits 2014 mit dem Fahrgeschäft „Arthur und das Königreich der Minimoys“ erprobt, bei dem filmische und materielle Welten ineinander verschränkt werden. Auf einer Hängeachterbahn fährt man durch einen, mit Spezialeffekten ausgestatteten Indoorbereich, der einen in die Geschichte der Minimoys mit ihren magischen Begleitwesen entführt. Es werden filmische Inhalte auf Leinwänden so mit der Umgebung verschränkt, dass die Unterschiede zwischen physischer Bewegung und Bewegung im Bild und Film verschwimmen, sodass die Fahrt eine ganzheitlich immersive Erfahrung für das Publikum bietet.

Seit Mitte diesen Jahres erscheinen diese Grenzen noch durchlässiger. Eine alte Attraktion des Europaparks wurde aufgerüstet und ist moderner den je. Mit dem „Alpenexpress VR-Ride“ betritt man eine Erlebniswelt, die einen an dem, was man Realität nennt, zweifeln lässt.

Die Achterbahn verbindet Körper und Technik, in dem sie mit einer VR-Brille vernetzt ist. Solche Brillen spielen vor dem gesamten Gesichtsfeld eine mediale Realität, abgebildet auf kleinen Bildschirmen, direkt vor den Augen ab. Sie sind bewegungs- und ortsempfindlich, sodass sich die Bewegung des Kopfes auf die projizierten Bilder auswirkt und man rundherum eine beliebige, ferngesteuerte Realität sieht. Bewegt man den Kopf nach oben, schwenkt das Bild, dass einem gezeigt wird, ebenfalls nach oben. Auf einer Achterbahn, die mit ihrer Affektmodulation ganz vorne ist und den Körper im höchsten Maß beansprucht, ist eine simulierte Realität im Bereich des optischen besonders eindrucksvoll. In der Verknüpfung von Gesehenem und körperlich Erlebtem wird die Achterbahnfahrt zu einem lustvoll immersiven Gesamterlebnis.

Mit dieser Präsentation stellt Michael Mack nicht nur die neuesten Konzepte in Sachen VR und Erlebnisbranche vor, sondern hält ein leidenschaftliches Plädoyer für eine „enhanced reality“ – „mögliche Realität“. Eigentlich ein Pleonasmus, denn ohne die Möglichkeit ihrer gibt es keine Realität. Aber vielleicht ist es genau dieser Blick auf Möglichkeiten, wie ihn der Alpenexpress im Europapark bietet, der uns die Realität bewusst werden lässt.

Autor: Franz Thöricht, Dortmund