WELTEN BAUEN – IMMERSIVE UMGEBUNGEN

Kurator: Prof. Tobias Wallisser

Sprecher: Wolfram Putz, Prof. Martin Haas, Enrico Ruiz-Geli

 

Pipi Langstrumpf und die Möglichkeiten der gebauten Welten.

 

„Ich mach’ mir die Welt – widdewiddewie sie mir gefällt…“ ist ein Zitat aus dem berühmten Pipi Langstrumpf Lied. Ganz so demokratisch ist der Weltenbau in der Architektur noch nicht. Aber kluge Köpfe stellen im dritten Panel spannende Ideen und Konzepte vor, die innovative Ansätze für ein neues Bauen darstellen.

 

Eingeleitet von Prof. Wallisser beginnt Wolfram Putz von GRAFT, Berlin seinen Vortrag „Distict Ambiguity – Über eine gesunde Kultur des Risikos“, in dem er sein Büro und anhand verschiedener Projekte die Ansätze des neuen Bauens aufzeigt. „Curiosity“ sei ein zentrales Thema bei GRAFT, denn Probleme sollen, so sagt er, mit Phantasie gelöst werden. Außerdem sei „distinct ambiguity“ wichtig, denn Eindeutigkeit führt nicht zu spannender Gestaltung. Im Folgenden spricht er von „serendipity“, denn oftmals sind es die Phänomene die einem zufällig auffallen, während man nach etwas Anderem sucht, die spannenden Lösungen für beispielsweise ein architektonisches Probelm. Außerdem stellt er fest, dass Design „the first sign of human intention“ sei, was nicht nur ihn als Architekten, sondern auch die Passanten, Bewohner_innen und Benutzer_innen der Häuser mit einschließt. Auch, so fährt er fort, sei Geschichten erzählen die globale Werbung und bekräftigt somit die Stellung von Architekt_innen, Szenograf_innen und Gestalter_innen in Soziologie und Stadtentwicklung. Als besonderes Projekt ist der Solar Kiosk hervorzuheben. Mit der einfachen Überlegung, dass Elektrizität zu mehr Möglichkeiten und Wohlstand führt ist ein Kisok entstanden, der jegliche Energie aus den Solarzellen auf seinem Dach bekommt und die Menschen in, zum Beispiel Ethiopien oder Botswana, ihre Handys aufladen oder fotokopieren können. Hier funktioniert Architektur als Aktivismus und fördert soziale Gleichheit. Zu erwähnen ist auch das spannende Projekt eines Energieplushauses, dass die dazugehörigen Autos als Batterien nutzt und Mieter_innen attraktive Angebote, wie bspw. Freikilometer für die erzeugte Energie anbietet. Abschließend betont Wolfram Putz nicht nur, dass wir das Bauen neu lernen müssen, sondern wünscht sich auch mehr Engagement und Phantasie.

 

Den zweiten Teil macht Prof. Martin Haas mit seinem Vortrag „Zeitenwende – Ideen und Konzepte für eine Architektur von 2050“. Zu Beginn konstatiert er, dass man als Architekt Lebensräume gestalte und zweifelt in diesem Zusammenhang an der Idee des „form follows funktion“, denn Lebensräume sind, so wissen wir heute nicht nur an Funktionen gebunden. Wir sind keine Lebewesen, die nur funktionieren müssen, sondern tragen neben Anderem auch Emotionen in uns, die in der erwähnten Gestaltung von Lebenswelten mitgedacht, oder besser mitgefühlt werden müssen. Vor Allem müssen sich die Gestalter_innen aller Disziplinen an den Lebensstilen der Zukunft orientieren, denn hier vollzieht sich ein starker Wandel, der in engem Zusammenhang mit den gebauten Räumen stehen wird.

Er plädiert für einen neuen Planungsprozess im Städtebau, bei dem nicht die Funktion von Straßensystemen ein Raster vorgibt sondern zyklisch von den Bedürfnissen der Menschen, die den Raum bewohnen ausgegangen wird. In dem Zusammenhang spricht er vom Unilever Haus in Hamburg, dass nicht nur Büroräumen Platz bietet, sondern mit einer Treppe, mit Sicht zur Elbe Passanten das Verweilen ermöglicht. Ein weiteres Beispiel seiner Arbeit wird mit einem Entwurf für das Guggenheim in Helsinki präsentiert. Hier betont er die intensive Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten des Raums. Wie funktioniert Stadt? Wie ist der Kulturkalender in Helsinki aufgestellt? Wie ist das Wetter und wie sind die Sonnenstände? Aus dieser Recherche ist ein Bau entstanden der vor allem Möglichkeiten schaffen soll. Die Positionierung des Ensembles lässt die Sonne als Mitspielerin erscheinen, indem es Durchlassachsen für die Sonnenstrahlen bereithält. Eine intensive Auseinandersetzung liegt auch der Alnatura Arbeitswelt in Darmstadt zugrunde. Hier werden zur Zeit neue, ökologische Baustoffe getestet, und Möglichkeiten zur Nutzung des Waldes als Klimaanlage verhandelt.

 

Der dritte Vortrag schließt hier an und mit „It’s all About Particles“ stellt Enric Ruiz-Geli zu Beginn fest: „We live in a liquid reality“ und „Achitecture hast o get to mulecular“. Aus der Überzeugung, dass wir uns mit der Partikularität beschäftigen müssen sind einige spannende Projekte entstanden, von denen Ruiz-Geli in seinem Vortrag erzählt. Besonders interessant war ein Expopavillon in Saragossa, dessen Äußeres von mit Salzslösung gefüllten Kissen bedeckt war, die „atmen konnten“. Durch die Temperaturunterschiede und bestimmte Ventile konnte Lösung, dessen Salz auf der Oberfläche kristallisierte, austreten und so automatisch für die Wärmeregulierung sorgen. Generell plädiert er dafür intelligente Häuser zu bauen, die sich um sich selbst „kümmern“ und stellt in diesem Zusammenhang ein Netz aus kleinen Solarcomputern vor, die um ein Haus gespannt werden und interaktiv, je nachdem wie viel Sonne sie abbekommen, mit den jeweils anderen „Zellen“ kommunizieren, sodass eine möglichst hohe Energieausbeute erzielt werden kann. Im Ankündigungstext wird im letzten Punkt folgendes geschrieben, was die Sicht von Ruiz-Geli passend resümiert: „We understand reality as performing particles inside an emphatic society in which human beings and nature speak a common language, that of Particles Architecture“.

 

Der Kurator Prof. Tobias Wallisser hat mit seinem Panel eine interessante Zusammenstellung an Ideen und Konzepten gefunden, die Utopien erscheinen lassen und immersive Umgebungen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Mit den drei Referenten wurden auch gute Performer präsentiert die Sich und ihre Konzepte professionell verkaufen konnten und die Zeit haben schnell vergehen lassen.

 

Text: Franz Thöricht