Panel 2: Edutain me! – Neue Lernwelten zwischen Irrsinn und Scharfsinn

 

Kuratiert und moderiert von Jean Louis Vidière Ésèpe

Eine bunte Mischung von interessierten Student_innen und jungen Fachleuten füllt das Albrecht Ade Studio.

Die Sesamstraße ist Ausgangspunkt für die Gestaltung des 2. Panels. Als eines der ersten kindgerechten Lernplattformen zeigt sie, wie neue Lernwelten geschaffen werden können. Kindermuseen und -ausstellungen können heute einen großen Teil der Lernvermittlung leisten, indem sie es schaffen, die Bedürfniswelt und Kompetenzen des Kindes zu sehen.

Während bislang die Raumbeschaffenheit beim Lernverhalten von Kindern eine untergeordnete Rolle spielte, vollzieht sich heute ein Umdenken.

In dem von Jean-Louis Vidière Ésèpe kuratierten Panel beschreiben die vier Referent_innen Alicia Leuschner (TRIAD, Berlin), Christoph Fricker (Landesmuseum Baden-Württemberg, Junges Schloss, Stuttgart), Olivier Héral (Futuroscope, Poitiers) und Dr. Elisabeth Menasse-Wiesbauer (ZOOM Kindermuseum, Museum Quatier, Wien) ihre Ansätze der Gestaltung von Kinderlernwelten.

 

Alicia Leuschners Vortrag „Edutainment für die Kleinsten“ stellt eine Erlebniswelt für chinesische Kinder in Form einer fantastischen Zugreise vor. Kinder im Alter von drei bis acht Jahren werden durch eine bunte Mitmachwelt geführt. Sie zeigt das „Land der Drachen“ mit fliegenden Fabelwesen, den „Magischen Orient“ mit buntem Marktplatz und das Wolkenschiff, auf dem die Kinder Abenteuer erleben können.

Auf Grund der chinesischen Einkindpolitik bestand der Anspruch darin, den Kindern die Möglichkeit zu bieten, sich selbstbestimmt, ohne die Aufsicht der Eltern durch die Fantasiewelten zu bewegen und dabei anderen Kindern zu begegnen.

Aus europäischer Sicht erscheinen diese Welten als hyperrealistische Erlebniswelten. Alicia Leuschner beschreibt sehr eindrucksvoll, wodurch die Erlebniswelten chinesischer Kinder geprägt werden und wie die Fusion zwischen europäischen und chinesischen Lernansprüchen funktionieren kann.

 

Christoph Fricker stellt in seinem Vortrag „(Kinder-) Museum: Räume der Kulturvermittlung für junge Besucher“ einen traditionell klassischen Ansatz der Museumspädagogik für Kinder vor. Er spricht von einem Museum des Mitmachens, in dem die Kinder zusammen mit ihren Familien abgeholt werden. Und er stellt Fragen wie „Was bedeutet Kommunikation im Museum und welche Ziele hat die Kulturvermittlung im Museum?“ und „Wie können die Sinneswelt von Kindern angesprochen und kognitive sowie emotionale Inhalte vermittelt werden?“ Sein Wunsch, traditionelle Wege zu durchbrechen, ist theoretisch nachvollziehbar. Hinsichtlich der praktischen Umsetzung bleiben jedoch einige Fragen offen.

 

Reise mit den verrückten „Rabbits“ durch die ganze Welt! Erfahre geschichtliche Aspekte in einem verfremdeten Kontext! In der von Olivier Héral vorgestellten Attraktion „Raving Rabbits“, die Teil des Freizeitparks Futuroscope ist, können Besucher_innen durch verrückte Welten reisen. Die Welten sind ästhetisch stilisiert und an die Erlebniswelt des Computerspiels „Rayman Raving Rabbits“ angepasst. Die Abstraktion und Verfremdung des geschichtlichen Kontextes wird in der anschließenden Diskussion im Publikum kontrovers diskutiert.

 

Kindermuseen greifen Themen auf, die sich an den Erfahrungen und Interessen der Kinder orientieren. Dr. Elisabeth Menasse-Wiesbauer gibt einen Einblick in das lebendige Kindermuseum ZOOM. Sie sieht das Kind als kompetenten Partner, das unter Berücksichtigung entwicklungspsychologischer Theorien mit einem empathischen Blick abgeholt wird. Was das Kind lernt, hängt von ihm selbst und seinen Erfahrungen ab. Der Museumsraum wird durch die szenografische Gestaltung zum Träger von intellektuellen und emotionalen Inhalten. Das Kind kann hier mit allen Sinnen die Welt erfahren und seine eigenen Fähigkeiten erforschen. Nach ihrem Vortrag mit dem Titel „Kindermuseum als Avantgarde – Spielerisches Lernen im Museum“ wird deutlich was Dr. Menasse-Wiesbauer meint. Man bekommt Lust, das Museum selbst zu besuchen. Auch der Kommentar von Tristan Kobler, dass er bei dem Entwerfen von Ausstellungen für Erwachsene ähnlich vorgehe, erscheint sehr passend.

 

 

Text: Natalie Wild

Freitag 13.11.2015